Sonntag, 5. Dezember 2010

Was macht eigentlich ein Kaufmann/Frau für Marketingkommunikation?

Tim Malek hat seine Ausbildung zum Werbekaufmann, dem heutigen Kaufmann für Marketingkommunikation, im Jahr 2002 erfolgreich abgeschlossen. Hier wurde er in den Bereichen Marketing , Werbung und PR, sowie in die kaufmännischen Grundlagen fundiert ausgebildet. Kaufleute für Marketingkommunikation sind in erster Linie in Werbe- oder PR-Agenturen tätig. Eine weitere Möglichkeit ist, kundenseitig zu arbeiten. Das heißt, die Arbeitsplätze finden sich in Werbeabteilungen größerer Unternehmen. Nach einigen Projekten in der Agenturbranche entschied er sich für den großen Schritt in die Unternehmensgründung. Heute ist er als Selbstständiger mit einem Einzelunternehmen, der Firma TUKAETO, in der Textil- und Werbemittelproduktion tätig.
Wie sein beruflicher Werdegang aussah, und was er als besonders wichtig für den Kaufmann für Marketingkommunikation hält, erzählt er hier auf BaZaKom.

Der Weg zum eigenen Chef

Meine Ausbildung zum Werbekaufmann absolvierte ich in der Siegburger Kommunikationsagentur atw:kommunikation. Nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung im Jahr 2002 arbeitete ich noch ein weiteres Jahr in meinem Ausbildungsbetrieb.Um neue Aufgaben, neue Kunden und neue Projekte übernehmen zu können, einfach einen frischen Wind um die Nase zu bekommen, wechselte ich 2003 in eine andere Werbeagentur. Diese musste leider aufgrund mangels Aufträge in den Konkurs gehen – woraufhin ich erst einmal in die Arbeitslosigkeit gehen musste.
Für mich war der Weg ganz schnell ganz klar: die Selbstständigkeit. Hier kamen mir die sehr guten Ratschläge meines ehemaligen Ausbilders zugute. Er investierte sehr viel Zeit in meine Ausbildung und förderte mich, wo er nur konnte. Zudem lag der Schwerpunkt der Ausbildung bei atw:kommunikation nicht ausschließlich in den Fachbereichen Marketing / Werbung / PR, sondern wurde wie es die (damalige) Berufsbezeichnung auch mit sich führt, im kaufmännischen Bereich gelegt.

Das „Tagesgeschäft“ der Anzeigen-Schaltung in der Agentur

Der Kunde meldet sich bei seinem zuständigen Kundenberater / -betreuer und wünscht eine bestimmte Werbung, beispielsweise eine Anzeige, zu schalten. Das Briefing, also der Kundenwunsch einer Anzeige mit den ersten wichtigen Informationen, erfolgt in der Regel entweder telefonisch oder per E-Mail. Es gilt es vorab zu klären, welche Inhalte die Anzeige haben soll. Handelt es sich beispielsweise um eine Imageanzeige, z. B. zur Steigerung der Firmenbekanntheit? Oder um eine Stellenanzeige? Oder aber um eine Anzeige, auf der der Kunde Produkte offerieren möchte? Aus diesem ersten Briefing ergeben sich meist eine menge Fragen, die mit dem Kunden besprochen und geklärt werden müssen. Weiterhin gilt es abzustimmen, in welchem Medium der Kunde die Anzeige schalten möchte. In einer Tageszeitung oder doch in einer Fach- oder Special-Interest Zeitschrift, wie einem Auto-Magazin oder einer Zeitung speziell für Tattoo-begeisterte? Es gilt abzuklären, ob der Kunde ein bestimmtes Format favorisiert oder er der Agentur „freie Hand“ lässt. Schwarz / weiß – oder eine farbige Anzeige? Welches Budget steht zur Verfügung? Läuft die Schaltung (Buchung) der Anzeige über den Kunden oder der Agentur? Dies ist wichtig in Bezug auf die Provision, die eine Agentur durch den Verlag erhält.

Wie aus einer Anfrage ein konkretes Angebot wird

Wenn alle Fragen geklärt sind, erstellt der Kundenberater ein internes Briefing für die Teammitglieder und geht damit in die Grafikabteilung. Dort wird gemäß den Vorgaben eine Anzeige entworfen. Parallel bucht der Kundenberater die Anzeige beim Verlag. Nachdem der Anzeigenentwurf durch den Kundenberater kontrolliert wurde, wird diese dem Kunden zur Freigabe übermittelt (zumeist als PDF-Datei per E-Mail). Sollte der Kunde Änderungen wünschen, werden diese umgesetzt und der Entwurf erneut dem Kunden zur Freigabe zugestellt. Nach erfolgter Freigabe durch den Kunden wird eine Druck-Datei an den Verlag gesendet. Das Projekt kann dann intern abgeschlossen werden. Als Arbeitsschritte leiten sich somit ab: Mit Kunden Beratungs- und Briefinggespräche führen, z. B. über Art, Umfang, Zweckmäßigkeit und Kosten, die Angebotserstellung, das Formulieren eines Briefings, Aufgaben im Team planen, verteilen und bearbeiten, dabei individuelle Fähigkeiten der Mitarbeiter/innen beachten, die Projektsteuerung, Planung des Medieneinsatzes, externe Dienstleister auswählen und beauftragen, interne Herstellungsprozesse organisieren, Qualitätssicherung, Abrechnung erstellen.

Umsetzen von Marketing-Maßnahmen

Der Bereich „Konzeption“ im Zusammenhang von Marketingmaßnahmen sind im Regelfall mittel- bis langfristig umsetzbar. Sie erfordern viel „Denkarbeit“. So wird mit dem Kunden ein Marketingziel definiert, welches genau formuliert wird, damit er nach einer vorher festgesetzten Zeit auch kontrollieren kann, ob die Ziele auch wirklich umgesetzt worden sind. So werden Beratungs- und Briefinggespräche geführt, z. B. über Art, Umfang, Zweckmäßigkeit und Kosten von Marketing- und Kommunikations-maßnahmen. Kommunikationsmix und -mittel wie klassische Werbung, Events, Online- und Direktmarketing, Sponsoring oder Verkaufsförderung werden gemeinsam mit dem Kunden festgelegt. Dies sind alles Mittel, die eingesetzt werden, damit der Kunde auf eine Dienstleistung oder ein Produkt aufmerksam wird und dieses dann auch letztendlich kauft.

Viel Denk- und Recherchearbeit: die Marketing-Analyse.

Im Anschluss wird das Projektbudget durch die Agentur kalkuliert. Die Agentur bildet zumeist ein Team aus verschiedenen Bereichen – den Kundenberater, einen oder mehrere Grafiker (je nach Umfang), ggf. einen Texter. Es wird die Kampagnenplanung koordiniert und die Entwicklung von Einzelmaßnahmen erörtert, Zielgruppen werden analysiert, definiert und in gleich zueinander gehörende Gruppen eingeteilt. Anschließend wird der Medieneinsatz geplant. Gleichzeitig werden Informationen über Mitbewerber und Marktentwicklungen beschafft. Parallel werden Ausschreibungen bzw. Anfragen an externe Dienstleister (z. B. Druckereien, Foto-/Filmstudios) formuliert, die Preise werden qualitativ und quantitativ verglichen, schließlich werden externe Partner ausgewählt und beauftragt. Nach Abschluss der Arbeiten werden die Agenturhonorare mit dem ursprünglichen Angebot vergleichen, z. B. hinsichtlich Mehr-/Minderaufwand der Agentur um die Wirtschaftlichkeit eines Projektes ermitteln zu können. Für die Kundenseite wird selbstverständlich eine Werbeerfolgskontrolle durchgeführt.

Agentur oder Unternehmen?

Eine Agentur bzw. deren Mitarbeiter arbeiten zumeist für mehrere Unternehmen der verschiedensten Wirtschaftsbereiche parallel. Dies ermöglicht ein breites Wissensspektrum und ist sehr abwechslungsreich. Arbeiten Kaufleute für Marketingkommunikation in Marketing- und Kommunikationsabteilungen von Unternehmen, fällt ihr Arbeitstag nicht weniger abwechslungsreich aus: Die Beauftragung von Agenturen, die gemeinsame Entwicklung von Konzepten und die Kontrolle des Kommunikationserfolgs erfordern auch hier die volle Aufmerksamkeit der Kaufleute.









Fünf Fragen an...Tim Malek:

BaZaKom:
Welche besonderen Fähigkeiten, Interessen und Talente sollte man für den Beruf mitbringen?

Tim Malek:
Das wichtigste in diesem Beruf ist, dass man "Dienstleistung" lebt. Es kann immer passieren, dass einem Kunden auch freitags kurz vor dem Wochenende einfällt, das er noch dringend etwas benötigt. Überstunden sind keine Seltenheit – das heißt, man muss in seiner privaten Zeit flexibel sein.
Stressresistent sollte man ebenfalls sein – in einer Agentur fallen viele Aufgaben gleichzeitig an, viele Kunden wollen möglichst gleichzeitig bedient werden – und da muss man auch noch gut organisieren können. Ein gutes Wahrnehmungsvermögen und Merkfähigkeit ist ebenfalls von Nöten, da viele Kunden telefonisch Informationen übermitteln.

BaZaKom:
Wie sieht das Anforderungsprofil für den Beruf an?

Tim Malek:
Heutzutage wird in der Regel ein (Fach-)Abitur benötigt. Welcher Abschluss tatsächlich gewünscht ist (ggf. ein sehr guter Realschulabschluss), entscheiden die einzelnen Arbeitgeber. Kenntnisse der gängigen PC-Programme (Office-Programme wie Word, Excel, Power Point). Vorteilhaft sind Kenntnisse in den Grafikprogrammen (Photoshop, InDesign etc.). Zudem ist es erforderlich, die deutsche Sprache in Wort und Schrift fehlerfrei zu beherrschen, damit eine Qualitätssicherung sichergestellt ist (bevor ein Entwurf zum Kunden geht, wird dieser durch den Kundenberater Korrektur gelesen und auf Fehler überprüft).

BaZaKom:
Worauf sollte man bei der Berufsauswahl und der Wahl seines Arbeitgebers unbedingt achten?

Tim Malek:
Um in alle Bereiche einsehen zu können und somit umfangreiche Kenntnisse zu erlangen, empfehle ich, eine Ausbildung in einem Mittelstandsunternehmen zu absolvieren. Und auf jeden Fall in einer Agentur. Dort erhält man Einblicke in fachbezogene Bereiche (Werbung, PR, Text, Grafik) und im kaufmännischen Bereich (Angebotserstellung, Abrechnung etc.) auf Unternehmensseite sind diese übergreifenden Tätigkeiten nicht vorhanden. Auf Agenturseite lernt man viele Wirtschaftsbereiche (insofern die Agentur nicht auf eine Branche spezialisiert ist) kennen – auf Unternehmensseite ausschließlich den Wirtschaftsbereich des Unternehmens.
Auf die Karriere hin gesehen, ist es wichtig ein guter Allrounder zu sein – und die Voraussetzungen findet man, meiner ganz persönlichen Meinung nach, am besten auf der Agenturseite. Zudem ist mir wichtig, ein gutes Arbeitsumfeld vorzufinden, das heißt: ein nettes Team, eine gute Atmosphäre, gute Arbeitsbedingungen. Am besten ein paar Tage reinschnuppern und Augen und Ohren offenhalten – wie ist der Ton untereinander, wie ist der Chef im Umgang mit den Kollegen. Wird viel gelacht – oder aber ist alles sehr angespannt? Darüber lässt sich viel raushören.

BaZaKom:
Welche Perspektiven oder Alternativen hat man mit diesem Beruf? Wie sind die Karrierechancen?

Tim Malek:
Nach der abgeschlossenen Ausbildung arbeiten Kaufleute für Marketingkommunikation in Agenturen und Beratungsfirmen wie Werbeagenturen und PR-Agenturen oder in Marketing- und Kommunikationsabteilungen von größeren Unternehmen. Man selbst kann sich spezialisieren als Art-Buyer (Werbung) / Unternehmensseite, als Kontakter (Kundeberater/-Betreuer), als Media-Fachkraft, als Mediaplaner/-in, als PR-Fachkraft. Ich selbst habe mich als Merchandiser ja selbstständig gemacht. Die finanziellen Aspekte sind eigentlich recht gut. Auch wenn die „goldenen Jahre“ vorbei sind, so kann man doch sein Leben ganz gut mit dem Verdienst finanzieren.

BaZaKom:
Was war ein Highlight in deinem jetzigen Beruf?

Tim Malek:
Ganz klar: die Selbstständigkeit. Auch wenn es schwer ist, gerade zu Zeiten der schwierigen Wirtschaftslage. Aber neue Kunden zu gewinnen, neue Projekte zu realisieren, macht viel Spaß. Ich arbeite zurzeit auch mit einem Bundesliga-Verein zusammen. Eine schöne Verbindung zwischen Beruf und Freizeit!
In meiner Angestelltenzeit war eines von vielen Highlights die Zusammenarbeit mit der Unternehmensgruppe „PLUS“ – hier war ich für den Verpackungsbereich „NonFood II“ innerhalb Europas verantwortlich. Auch für ein Autohaus wurde eine komplette Imagekampagne gemacht. Von Visitenkarten über Briefpapier, Anzeigenwerbung und neuem Internetauftritt, Großflächenplakate, CityLights, Radiowerbung bis hin zu ganzen Bussen, die mit dem neuen Design beklebt wurden. Es ist toll zu sehen, wie aus Einzelmaßnahmen ein neuer, einheitlicher Auftritt entsteht – und wie viele Räder ineinandergreifen (Zusammenarbeit der verschiedenen am Projekt beteiligten Partner).

BaZaKom:
Tim, vielen Dank für deinen Beitrag!

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